Die Baugeschichte der Würzburger Domherrnhöfe

Buchtitel "Die Baugeschichte der Würzburger Domherrnhöfe"

Art.ID: MS 25-1

60,00 Versandkostenfrei (DE), inkl. 7% MwSt.

Ein Blick auf den ältesten Katasterplan Würzburgs aus dem Jahre 1832 (Plan I), lässt die Grundzüge der Stadtstruktur des frühen Mittelalters noch immer deutlich erkennen: In der Mitte des polygonalen Mauerrings des romanischen Befestigungsanlage liegt auch das geistliche Zentrum, Domkirche und Neumünster. Westlich davon, beiderseits der Achse Domstraße, reihen sich überwiegend kleinteilige, dicht bebaute Grundstücke; östlich davon dagegen, auf die Südostseite der "Bischofsmütze" gerichtet, bestimmen großflächige Hofgruppen den Stadtgrundriss. 

Nur wenige, enge Gassen gliedern dieses Viertel in große, zusammenhängende Flächen, die locker bebaut sind; die Gebäude rahmen weite Höfe und lassen ausgedehnte Gartenanlagen frei. Zur Gasse hin waren die riesigen Grundstücke allerdings ausnahmslos abgeschlossen, durch einen Gebäudetrakt abgeriegelt, wenn nötig durch eine Mauer geschützt. Entsprechend verschlossen, abweisend, wirkten diese Höfe von außen, Photographien aus der Zeit vor dem Luftangriff auf Würzburg zeigen es zur Genüge. Ruhig und behäbig lagern die schlichten, meist zweigeschössigen Gebäude an den krummen Gassen, ohne auch nur eine Spur der Weiträumigkeit hinter ihren Mauern vermuten zu lassen: "Stattlich und massiv von außen und über große Flächen sich ausdehnend, zeigen sie im Inneren lauschige, vielfach von wildem Wein beschattete Höfen und Hallen, breite Stein- oder zierliche Holztreppen und Galerien".

Heute ist in Würzburg kaum mehr zu spüren, "...wie großzügig die Curien des Mittelalters den Stadtgrund aufgeteilt haben: Licht und Gartenland überall" - im Hof Conti nur noch oder in den Höfen Heideck und Seebach, von den Ebracher Schwestern, der Kongregation der Schwestern des Erlösers, trotz der neuen Nutzung als Krankenhaus im alten, typischen Erscheinungsbild erhalten. Neben diesem Krankenhaus sind es Post- und Bankgebäude, Bürohäuser, eine Schule, eine Galerie, die heute den betrachteten Stadtraum bilden - früher waren es Klosterhöfe, "curiae claustrales", die Kurien der Würzburger Domherren. Mit weiterem geistlichen Besitz nahmen sie rund ein Drittel der mittelalterlichen Stadtfläche ein, ein in sich geschlossenes "Geistliches Viertel", oder mehr noch, eine ganze "Stadt der Geistlichkeit".

Die Rekonstruktion der baulichen Gestalt dieser Domherrnhöfe ist Ziel der vorliegenden Arbeit. Vor der Brandnacht vo 16. März 1945 wäre sie ungleich ergiebiger geworden, ja, groteskerweise, gerade nach dieser Katastrophe hätten die bloßgelegten Mauerflächen mit einer Unmenge an uralter Substanz und der aufgerissene, höchst bedeutungsvolle Untergrund viele heute nur noch zu vermutende Zusammenhänge beweisen können. Diese Chance ist vertan, bautechnische und archäologische Untersuchungen im Zusammenhang mit dem zu behandelden Thema sind kaum noch möglich, die konsequente Ruinenräumung im Zuge des Wiederaufbaus hat (bis in die 60er Jahre!) ein Vielfaches mehr an Beweismaterial verschwinden lassen als der Stadtbrand vernichtet hat.

So muss die bauliche Rekonstruktion auf alten Planunterlagen, Graphiken, Photos, schriftlichen Quellen gründen und nur bedingt auf örtlichem Aufmaß noch vorhandener Bausubstanz. Im Rahmen dieser baugeschichtlichen Behandlung der Domherrnhöfe konnten ausschließlich historische Aspekte, wie etwa die geschichtliche Entwicklung des Würzburger Domkapitels, nicht behandelt und dargestellt werden, nur in geringem Umfang war auch urkundliche Quellenforschung möglich. Die Reihe der 263-bändigen Domkapitelsprotokolle, 1504 begonnen und bis zur Säkularisation 1803 reichend, wurde nur stichprobenartig überprüft - baugeschichtliche Hinweise waren dabei keine zu finden.

Ein Vergleich der baulichen Gestalt der Würzburger Kurien mit Domherrnhöfen anderer Bischofsstädte wäre sicher äußerst aufschlussreich, ist jedoch bei der derzeitigen Lage der Literatur noch nicht möglich. Soweit bekannt, existieren andernorts keine entsprechenden baugeschichtlichen Untersuchungen - vielleicht gibt diese Arbeiten einen Anstoß dazu.

Zurück