Bismarckkult in Würzburg

Buchtitel "Bismarckkult in Würzburg"

Art.ID: 978-3-939112-82-2

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"Stolz grüßt von der Höhe des Steinberges der trutzige Bau als eine stete Erinnerung an den markigen Recken, den ersten Kanzler des Deutschen Reiches", so hatte die Chronik des Verwaltungsberichtes der Stadt Würzburg 1905 die Errichtung des Bismarckturmes verkündet. Der Bismarckturm, einer von zwei Orten, die in Würzburg an Fürst Otto von Bismarck erinnern, ist heute in einem verwahrlosten Zustand. Der dichte Baumbewuchs, der den Turm lange verdeckte, wurde erst im Jahr 2007 so weit zurückgeschnitten, dass der Turm wieder von der Stadt aus zu sehen ist. Nur noch wenige Einwohner Würzburgs kennen den Turm geschweige denn seine Bedeutung. Die Pleicherglacisstraße, die zum 100. Geburtstag von Fürst Otto von Bismarck 1915 in Bismarckstraße umbenannt wurde, führt vom Bahnhof in Richtung Main, und war damals eine der besten Wohngegenden Würzburgs. Heute ist sie eine Nebenstraße, wo zwischen den noch stehenden, in den 1890er Jahren im Stil der Gründerzeit und des Neubarock erbauten Häuser einige "Bausünden" im Betonstil der 1970er Jahren errichtet wurden. "Der Bismarckkult des Kaiserreichs ist heute Geschichte", so charakterisiert Matthias Stickler den Umgang mit der Person Otto von Bismarcks in der Gegenwart. Würzburg bildet da keine Ausnahme.

An der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert hatte der Kult um die Person Bismarck bereits weite Teile des deutschen Volkes erfasst. Ausgehend von einzelnen Huldigungen, die dem Staatsmann für seine Verdienste um die deutsche Einheit schon in den 1870er Jahren zu Teil wurden, erreichte die Bismarckverehrung an seinem 80. Geburtstag 1895 ihren Höhepunkt und wurde zum Massenphänomen. Seit Bismarcks Entlassung und verstärkt nach seinem Tod setzte eine Mythologisierung Bismarcks ein, die ihn bis zum Ersten Weltkrieg zu einer Symbolfigur des Deutschen Reiches, einem "Nationalheiligen" werden ließen - und vor allem zu einem Symbol der nationalen Sammlung und Mobilmachung im "Geist von 1914". In der Weimarer Republik wurde das Bismarck-Bild von den republikfeindlichen Kräften zu einem Führer-Mythos verzerrt, in dessen Wiederkehr man die Chance auf ein neues, starkes Reich erblickte. Dies wurde von Hitler und den Nationalsozialisten selbstverständlich aufgegriffen und mit Blick auf die eigene Führerideologie instrumentalisiert. Die Bonner Republik suchte ihre Identität jenseits von deutschen Nationalmythen, der Bismarck-Kult hatte somit ausgedient...

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