tejo, Unser Schiff und die Jungenschaften 1945 bis 1949

Mit einem Faksimile der Originalausgaben von „Unser Schiff. Rundbriefe der Deutschen Jungenschaft Göttingen“ 1947-1948

Autor: Helmut König

ISBN 978-3-88778-448-5

208 Seiten

Format: 175 x 220 mm

Sprache: deutsch

Einführung von Helmut König

Erscheinungstermin: Juli 2016

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Von 1945 bis 1949 lebte Walter Scherf, bekannt unter seinem Fahrtennamen tejo, in Göttingen; seine Wohnung, die Türmerwohnung auf dem Johannis-Kirchturm, wurde zum Zentrum der Jungenschaften in Niedersachsen. Vom März 1947 bis zum Herbst gab er die Rundbriefe der deutschen Jungenschaft unter dem Namen „UNSER SCHIFF” heraus, in diesen Jahren des Mangels an allem, auch des Papiermangels, ein großes Risiko. Aber diese Hefte waren unter den Veröffentlichungen für junge Menschen, die es in jenen Jahren gab, etwas Einmaliges, Besonderes. Sie waren der Versuch, nach Beendigung der Hitlerzeit neue Orientierungen zu geben, ohne auf den Pfaden der bemühten Re-Education oder der üblichen hergebrachten Schulpädagogik zu wandeln.

Walter Scherf, tejo, gelang es, eine Sprache zu finden, die von den Jungen unmittelbar verstanden wurde. So öffnete er ihnen eine bis dahin fremd gewesene Welt, die Welt der Dichter wie Bertolt Brecht, Georg Heym, Matsuo Basho und Li-tai-pe, aber auch die Welt der Märchen und Geschichten aus allen Kulturen, von Kakuzo Okakura und der Zeremonie des Tees, die Welt der Heikus. Das war nicht die Sprache der beamteten Lehrer, es war die Sprache einer neuen Freiheit. Und tejo gab eigene Gedichte dazu und Geschichten aus dem inneren Leben der Gruppen und Betrachtungen über die Variationsbreite menschlichen Lebens, Anregungen zum Nach-Denken. Unterstützt wurde der Gehalt der Hefte durch eigenwillige Grafiken, die weit entfernt waren von den üblichen Ausschmückungsbildern der gängigen Vereinsgazetten für Jugendliche.

Dazu kamen Lieder, handschriftlich gestaltet, die so anders klangen als sie gewohnt waren aus dem wandervogeligen Zupfgeigenhansl oder von Hans Baumann. Tejo gelang es, Lieder für die Horten der Jungenschaften zu schreiben und mit ganz eigenen Melodien zu versehen – sie verbreiteten sich über „UNSER SCHIFF”, aber auch mündlich, und sie gingen ein in das Liedgut der Bündischen.

Die auf billigem Nachkriegspapier gedruckten Hefte von „UNSER SCHIFF” sind heute kaum mehr in irgendeiner Bibliothek zu finden. Sie sind aber ein Einblick in eine ganz eigene Welt jugendlichen Lebens, der uns auch heute noch Wichtiges vermitteln kann. So hat Helmut König (helm) dafür gesorgt, dass sie sorgfältig nachgedruckt wurden. In einem längeren Essay hat er eine Einführung zu den Heften und zugleich eine Überschau über die Geschichte der Jungenschaften in den Jahren von 1945 bis 1949 hinzugefügt.

Leseprobe

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